Meine Pferde, mein Spiegel
Hier stelle ich euch meine drei Pferde etwas näher vor und wie sie mich in der Bodenarbeit immer nach neuen Lösungsansätzen angetrieben haben, jeder auf seine eigene Weise. Alle drei sind für mich mein Lebensinhalt, ohne sie wäre mein Leben leer. Jedes Pferd hat seine eigene Persönlichkeit und Geschichte und das macht es für mich so besonders mit Pferden zu arbeiten.
Dancer, geboren 15.03.2006
Dancer ist für mich mein absoluter Goldschatz, er begleitet mich nun schon 20 Jahre, mehr als mein halbes Leben. Dancer war mein erstes eigenes Pferd und schon sehr früh war ich ein Tinker-Fan. Eine Freundin züchtete Tinker und somit war es für mich naheliegend, dass mein erstes Pferd ein Tinker sein sollte. Dancer ist mit 10 Monaten bei mir und zwei Haflingern meines damaligen Freundes eingezogen. Mit 3 Jahren ließ ich ihn kastrieren. Dancer ist einfach eine Seele von Pferd. Er ist extrem gutmütig und sanft und eine absolute Lebensversicherung. Er ist verdammt nervenstark und liebt die Freiarbeit. Dort verschmelzen wir beide und sind in unserer Welt. Zirkuslektionen sind nicht so sein Ding, das haben wir irgendwann sein lassen, da ich möchte, dass meine Pferde Spaß an der Arbeit haben und möchte nichts aufzwingen, nur damit er es beherrscht.
Dancer war der Grund, weshalb ich mich ab seinem 12. Lebensjahr intensiv mit Longierarbeit nach biomechanischen Grundsätzen auseinander setzte. Ein großer Dank an dieser Stelle an Myrielle Hely, die mir anfangs sehr geholfen hat und wir heute noch im Austausch sind. Babette Teschen und ihre Kurse war mir hier auch eine sehr große Hilfe und der Tierarzt Markus Scheibenpflug aus der Schweiz. Dancer begann ab seinem 12. Lebensjahr mit Headshaking. Der Trigeminusnerv war betroffen. Viele ignorieren diese Symptome und ziehen den Pferden beim Reiten einen Nasenschutz auf, was das Schnicken oftmals lindert - aber es heilt nicht die Ursache. Ich musste Dancer von Grund auf neu aufmuskeln und habe in d iesem Atemzug sehr viel über die Anatomie der Pferde gelernt. Ich musste den Trigeminusnerv stabilisieren indem man Muskulatur rundherum aufbaut. Nach ca. einem halben Jahr waren wir das Headshaking los, allerdings ist unbedingt darauf zu achten das Training und somit die Muskulatur immer aufrecht zu erhalten. Ich vergleiche es persönlich gerne mit einem Bandscheiben-Vorfall beim Menschen, denn hat man einmal eine Schwachstelle, muss man Muskulatur aufbauen um das Gerüst dauerhaft zu stützen. Seitdem düsen wir wieder gesund und munter durchs Gelände und lieben das gemeinsame Zusammensein. Wenn er kein Pferd wäre, wäre er sicherlich ein Schoßhund, der immer überall einfach dabei sein will und stundenlang betüdelt werden möchte.
Akito, geboren 15.05.2009
Akito kam mit 7 Monaten zu mir im Dezember 2009. Wir bauten zuhause einen eigenen Offenstall und ich wollte einen Partner für Dancer. Wieder sollte es ein Tinker sein. Allerdings war Akito ein etwas anderes Kaliber als Dancer.
Er war sehr selbstbewusst und riss sich bereits als Fohlen gerne los, setzte hier auch gerne mal seine Hufe dazu ein. Er wusste sehr früh mit seiner Kraft umzugehen und so musste ich ihn bereits mit 1,5 Jahren kastrieren lassen.
Akito verdanke ich tatsächlich meine Laufbahn als Bodenarbeitstrainerin, da ich ohne ihn nicht so schnell so tief eingetaucht wäre. Ich wusste allerdings, dass ich nur durch Bodenarbeit und Vertrauensarbeit das Blatt wenden kann und wir eine Basis benötigen ohne ständig Kräfte messen zu müssen, denn das wollte ich unter keinen Umständen..
So besuchte ich ab dem Zeitpunkt seines Einzugs unzählige Kurse bei diversen namenhaften Trainern und bildete mich fort. Akito ist immernoch ein echtes Schlitzohr und verlangt volle Konzentration wenn man mit ihm arbeitet. Jede Ablenkung meinerseits bleibt niemals unbemerkt. Wenn man aber bei der Sache ist,. ist Akito hoch motiviert dabei und liebt im Gegensatz zu Dancer Zirzensik. Die Freirbeit macht er auch anständig, allerdings brennt sein Herz eher in der klassischen Handarbeit und in der Zirzensik. Auf dem Sitzsack zu sitzen ist dabei seine absolute Lieblingsübung!
Akito ist mittlerweile 17 Jahre alt, aber von Altersbequemlichkeit sind wir noch weit entfernt. Akito ist für einen Tinker übrigens unheimlich groß - er hat ein Stockmaß von 1,68m - ein sanfter und feiner Riese.
Ramiro, geboren 01.01.2019 (geschätzt)
Ramiro ist ein mittlerweile 7-jähriger Lusitano und seine Geschichte ist sehr besonders. Was ich über seine Herkunft weiß, ist, dass er in Portugal wild aufgewachsen ist, dann innerhalb von Portugal und Spanien 3x verkauft wurde, bis er mit 2 Jahren nach Deutschland kam. Was ihm in dieser Zeit passiert ist, kann ich nur erahnen, jedenfalls nichts gutes, aber mehr dazu im späteren Verlauf. Ich erhielt einen Anruf einer Freundin, dass ich doch mal erzählt hätte, ich würde von einem Spanier träumen....Ganz in der Nähe würde ein Lusitano-Falbe abgegeben werden. Ich kannte die Besitzerin und meldete mich. Sie erzählte mir, dass sie mit ihrem jungen Portugiesen nicht wirklich klar käme und sie ihn abgeben möchte und würde sich sehr freuen, wenn er in meine Hände käme. Also fuhr ich hin. Ramiro stand wirklich nicht gut da, er war zu dünn, hatte eine katastrophale Haltung, zeigte mehrere Muskelabrisse, war durchtrittig und auch in der Wirbelsäule war eine kleine Krümmung zu sehen. Nie zuvor hatte ich ein Pferd mit so viel Unsicherheit und Angst gesehen im ganzen Körper. Er war ein kleines Häufchen Elend. Eine AKU machte keinen Sinn, die hätte er eh nicht bestanden, also nahm ich ihn zu mir. Ramiro hatte zum Zeitpunkt als ich ihn anschaute große Angst vorm Halftern, deshalb trug er das Halfter laut Besitzern rund um die Uhr . Am Tag als ich ihn holte, stand er auf der Weide und als wir auf die Weide liefen, sagte die Besitzerin noch zu mir "Ich bin gespannt wie lange wir zum einfangen brauchen". Ich wollte mit ihm nach Hause laufen, da das nur 5km von mir zuhause entfernd war. Ich wollte ihm keine Hängerfahrt zumuten. Also stiefelte ich mit meinem Kappzaum an die Koppel. Lief einige Schritte auf ihn zu und streckte meine Hand aus und wartete. Ramiro kam, ließ sich ohne Zucken den Kappzaum aufziehen und wir liefen davon , als wäre es das normalste der Welt. Er drehte sich nicht um, er wieherte seinen Freunden nicht nach, voller Freude schaute er nach Vorne...er spürte wohl, dass nun ein Neuanfang anstehen würde- Bei den Erinnerungen bekomme ich immernoch Gänsehaut!Schnell zeigte sich zuhause, welch ein heftiges Trauma er in sich trug. Er zeigte ein Angstkrampfen, sobald er eingesperrt war. Männer waren ganz schlimm. Sobald mein Papa, mein Bruder oder mein Mann in der Nähe waren, ging er zusammen wie ein Hund , der den Schwanz einzieht. Der Körper zitterte und man dachte, er atmet nicht mehr. Dieses Verhalten ist mittlerweile weg. Aber es war ein langer Weg! In meinen Videos seht ihr das erste Ausbildungs-Jahr gefilmt als Zusammenschnitt. Ramiro besteht mittlerweile aus purer Lebensfreude und ist ein riesen Goldschatz. Er möchte alles richtig machen und ist hochmotiviert. Freiheitsdressur, Zirkuslektionen, Handarbeit, egal was ich abfrage, er ist voll dabei und gibt immer sein Bestes. Allerdings gibt es auch eine Schattenseite - denn außer mir traut Ramiro eigentlich niemandem wirklich über den Weg. Er ist eine absolute One-Man-Show und braucht SEINEN Menschen, der ihm Sicherheit gibt. Ramiro hat mein gesamtes Know-How gefordert und ist der beste Lehrmeister. Er hat nach wie vor körperliche Defizite und ich bin mir auch nicht sicher, ob diese jemals ganz zu beheben sind. Vermutlich hatte er eine Gewalteinwirkung auf den Rücken. Dadurch ergaben sich Schmerzen und eine daraus resultierende Schonhaltung, die er bis heute nicht abgelegt hat. Er kann nicht dösen und steht entweder fest auf allen Beinen oder liegt. Unzählige Behandlungen sind bereits erfolgt. Aber ich gebe niemals auf. Ramiro hat den Vorteil, dass er noch sehr jung ist und sich hier im Körper noch viel verändern kann. Für mich ist er etwas ganz besonderes und ich bin wirklich sehr dankbar, dass er meinen Weg gekreuzt hat. (Das erste Bild zeigt unseren Heimweg, als ich ihn mit nach Hause genommen habe.)
"Die Pferde spiegeln unsere Seele. Manchmal gefällt uns nicht, was wir sehen, dann liegt es an uns etwas zu verändern."
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